© (Kennel Kipazin)
aus dem Finnischen ins Englische von Ulla Kujanpää
aus dem Englischen von Harald Henning

Das Ziel dieses Textes ist es zu klären, ob es Sinn macht, seinen Hund zu erziehen und ob ein Hundebesitzer seine Verantwortung kennen sollte.
Für den Test benötigen Sie mindestens einen Hund, am besten von ausreichender Größe. Am besten wäre es, wenn Ihnen 3 bis 4 Hunde von unterschiedlicher Größe und Rasse sowie deren Besitzer helfen würden. Für einen erfolgreichen Test sollten sich die Hunde so schlecht wie möglich benehmen und deren Besitzer sollten sich für das Verhalten ihrer Hunden überhaupt nicht interessieren.
Die erste Testphase findet ohne Hund statt, für die zweite Phase nehmen Sie Ihren eigenen Hund mit. Die dritte Phase findet wiederum ohne Hund statt.

Gehen Sie an einem wunderschönen Frühlingstag spazieren. Herbst und Sommer sind auch OK. Wenn es denn sein muß, auch der Winter. Der Boden sollte jedoch feucht sein. Ist dies nicht der Fall, sollten Ihre Assistenten ihre Hunde in den Straßengraben tauchen. Einigen Sie sich mit den Assistenten über die benutze Route. Die Helfer stellen sich entlang des Weges auf. Die ungezogenen Hunde, die zufällig Ihren Weg kreuzen verbessern das Testsergebnis nur.

Phase 1

Gehen Sie in Ihrem neuen Sportanzug spazieren und genießen Sie das Wetter. Sie treffen einen riesigen, nicht angeleinten Hund. Der Besitzer ruft Ihnen zu: „Der tut nichts!“. Aber der Hund läuft mit aufgerissenem Maul und gesträubten Nackenhaaren laut knurrend auf Sie zu. Sie versteinern. Der Hund stürmt auf Sie zu und springt Sie an. Ihr neuer 2.000 DM Sportanzug reißt auseinander, Sie verlieren die Balance und fallen hin. Der liebe Hund hinterlässt seinen Zahnspuren in Ihrem Oberschenkel. Genießen Sie die erdige Atmosphäre für einen Moment. Setzen Sie Ihren Spaziergang fort.
Gehen Sie weiter, ohne auf den Weg zu achten und treten Sie in einen großen Hundehaufen. Der Kot dringt in Ihre neuen Turnschuhe ein. Genießen Sie das überwältigende Gefühl.
Sie haben nichts dabei, um Ihre Schuhe abzuwischen. Also versuchen Sie, sie auf dem Rasen zu säubern. Plötzlich rammt Sie ein anderer großer Hund von hinten und Sie fallen auf den Rasen. Der Hund leckt Ihnen freundlich das Genick und trampelt Ihre Wirbelsäule in eine neue Form. Der Hundebesitzer versucht sein bestes, den Hund von Ihnen herunterzubekommen. „Unser Mini hier ist so verspielt und freundlich; er muß einfach jeden begrüßen.“ Hund und Herr gehen weiter. Stehen Sie auf und lassen Sie diese neue Erfahrung in Ruhe auf sich wirken.
Wenn Sie wollen, können Sie jetzt nach Hause zurückgehen, um sich zu reinigen. Sie können aber auch tapfer Ihren Spaziergang fortsetzen. Treten Sie auf dem Heimweg in mindestens zwei weitere Hundehaufen und genießen Sie das Gefühl der Freude, daß Ihnen diese zwei Schritte bescheren.
Gehen Sie in Ihren Garten, um sich von den Mühen des Spazierganges zu erholen. Machen Sie es sich in der Sonne bequem und nippen Sie an Ihrem Kaffee. Ein Hund kommt herein, knurrt wütend, leert das Tablett mit den Semmeln und verschwindet (es ist kein Besitzer in Sicht). Freuen Sie sich über das Gefühl der Freiheit, daß der Hund in Ihnen erweckt. Holen Sie dann frische Semmeln und eine neue Tasse Kaffee, um den zu ersetzten, der in Ihrem Schoß verteilt wurde. Ziehen Sie sich frische Kleidung an.
Entspannen Sie sich. Ein mittelgroßer Hund kommt in Ihren Garten. Er kauert sich neben Sie um einen großen, duftenden Haufen zu produzieren (Denken Sie kurz über den Geruch nach). Am Hals des Hundes ist eine Leine befestigt, aber niemand weiß, wo das andere Ende ist. Versuchen Sie den Hund von Ihrem Hof zu bekommen und den Besitzer des duftenden Düngers ausfindig zu machen. Der Hund läuft vor Ihnen. Finden Sie das andere Ende der Leine. Der Hundebesitzer greift Sie an und macht Sie nieder. Wie können Sie seinen kleinen Hauzi-Wauzi einer solchen Untat verdächtigen. Er war die ganze Zeit dicht bei ihm, während er hier mit einem Freund gesprochen hat. Der Freund bezeugt dies. Hören Sie den Ausführungen über des Hundehalters Meinung freundlich zu und bewundern Sie dessen sprachliches Talent. Der Hund hebt sein Bein gegen Ihres. Versuchen Sie den Hund zu treten, ohne daß es jemand bemerkt. Der Hund reißt ein Stück aus Ihrem Hosenbein. Flüchten Sie.
Gehen Sie in Ihren Garten zurück um festzustellen, daß Ihre Semmeln schon wieder verschwunden sind. Im Austausch ist ein weiterer, saftiger Hundehaufen erschienen. Treten Sie mit Ihren Sommersandalen hinein und genießen Sie das glibberige Gefühl der Freude.

Phase 2

Nehmen Sie für diese Phase des Test Ihren Hund mit.

Gehen Sie mit Ihrem Hund spazieren. Um die Ecke kommt ein Hund ohne Leine. Der Hundebesitzer läuft weit hinter seinem Hund und ruft Ihnen zu, der Hund ist freundlich und voll unter Kontrolle. Der Hund greift Ihren Hund an, trotz der Kommandos und Flüche seinen Besitzers. Spüren Sie den momentanen Rausch der Gefühle. Nach dem Kampf bringen Sie Ihren Hund zum Nähen und bezahlen Sie auch für das Nähen des anderen Hundes. Ihr Hund wird beschuldigt, so aggressiv zu sein, daß ein Gerichtsbeschluss erlangt werden soll, um Ihren Hund zu töten. Finden Sie einen guten Anwalt.
Erholen Sie sich ausreichend. Versuchen Sie einen weiteren Spaziergang. Auf Ihrem Weg steht ein kleiner Hund mit seinem Herrn. Sie können ihnen nicht ausweichen. Als Sie sie erreichen, stürmt der fremde Hund los und beißt Sie und Ihren Hund. Fragen Sie (nett oder mit Flüchen – Sie haben die Wahl) den Besitzer, ob seinen Hund nicht unter Kontrolle bringen könnte, bis Sie vorbei gegangen sind. Als Antwort bekommen Sie einen verachtenden Blick. Gehen Sie so schnell wie möglich weiter, da der kleine Hund ständig in Ihre Ferse beißt. Fühlen Sie das Blut in Ihrem Körper strömen.
Auf der Hundewiese treffen Sie deren Beherrscher. Dieser Rambo schleift Ihren Hund über die Wiese… Fragen Sie den Hundebesitzer höflich, er möge seinen Hund abrufen. Fragen Sie den Hundebesitzer in wilden Flüchen, er mögen seinen Bastard nehmen und sich ver...<biiiep>... Der Besitzer versucht es, aber der König des Parks hört nicht auf ihn. Der gnadenlose Kampf geht ohne Unterbrechung weiter. Der andere Hundehalter kommt mit einer großen Entschuldigung für das Verhalten seines Hundes: „Oh, unser Rambo ist so verspielt und Hundes spielen so. Seien Sie nicht sauer, die Hunden haben eine so toooolle Zeit“. Erfreuen Sie sich an der Ekstase körperlicher Ertüchtigung und versuchen Sie Rambo festzuhalten.
Schließlich ist der verspielte Rambo vom Spiel mit Ihrem Hund gelangweilt. Humpeln Sie so schnell wie möglich nach Hause.

Phase 3

Endlich kommt der Abend. Ziehen Sie sich nochmals saubere Kleidung an und gehen Sie auf einen Drink in Ihre Stammkneipe. Auf dem Heimweg begegnen Sie einer alten Oma mit ihrem großen, netten Hund. Der Hund ist an der Leine und läuft, die Oma im Schlepptau auf Sie zu, um Sie zu begrüßen. Der Hund drückt Sie von vorne, die Oma von hinten. Fühlen Sie die Freude von so engem Beisammensein.
Versuchen Sie sich nach dem Ritual aus  zehn Meter Leine zu befreien. Sie bemerken, daß Sie vollständig von grauen Staub bedeckt sind. Laufen Sie tapfer weiter. In der Dunkelheit treten Sie in einige weitere Hundehaufen und der Tag kommt so zu seinem Ende. Sie fühlen, daß Sie etwas wirklich Großes vollbracht haben.
Nach dem harten Tag fallen Sie in Ihr Bett. Drehen Sie das Licht ab und schließen Sie die Augen. Aus dem Nachbarshaus hören Sie andauerndes Bellen, welches trotz der lauten Kommandos Ihres Nachbarn nicht leiser wird.

Nun antworten Sie ehrlich: Könnte Hundeerziehung nicht ein klein wenig nützlich sein und wäre Ihr Leben nicht leichter, wenn jeder Hundebesitzer zumindest ein bisschen Verantwortung übernehmen würde?