© Ulla Kujanpää
aus dem Englischen von Harald Henning

- Hey, sagen Sie nichts! Lassen Sie uns raten! Ein Fox Terrier?
-  Nein.
- Ein Weizenterrier?
- Nein.
- Nun ja, aber ein anderer Terrier.
- Nein. Ein Kromfohrländer.
- Was?
- Ein Kromfohrländer.
- Sagen Sie das noch einmal.
- Kromfohrländer.
- Ach richtig... C-H-R...
- Nein, K-R-O...
- Oh...  

Eine Rose ist eine Rose und Repu ist ein Kromi

Für den Besitzer einer seltenen Rasse ist es oftmals schwierig, nicht laut heraus zu lachen. Die Vermutungen sind manchmal so unglaublich. Mein Kromi – der zugegebenerweise nicht wie ein Standard Kromi aussieht – wurde schon für einen Pumi, einen Tibet Terrier und sogar für einen Mischling gehalten. Einmal wurde ich gefragt: „Ist das ein reinrassiger Fox Terrier?“ Natürlich mußte ich mit nein antworten, ist doch der Kromfohrländer eine Kreuzung zwischen einem Fox Terrier und einem Bretonischen Griffon.

Die bislang beste Vermutung kam von einer alten Dame im Park. Sie erzählte ihrer Freundin: „Das muß einer dieser Golden Retriever sein.“ Repu ist nun 14 Monate alt und nur eine Person kannte ihre Rasse. Ein gut aussehender Schnauzer-Besitzer fragte: „Ist das die deutsche Rasse, der Kromfohrländer?“ Man hätte Repu und mich mit einer Feder umhauen können.

Bitte auf Deutsch!

Es ist ein Albtraum, Leuten, die keine umfangreichen Deutschstudien betrieben haben, zu erklären, daß mein Hund ein Kromfohrländer ist. Man muß es mehrmals wiederholen und buchstabieren bis sie anfangen, sich den Namen zu merken. Meistens bitte ich die Leute, in einem Hunde-Lexikon nachzuschlagen. Es ist die einzige Rasse die mit K-R beginnt. Zwei Buchstaben sind leichter zu merken als 14. Eine andere Strategie ist, einen Pulli mit dem Logo der finnischen Kromfohrländer Vereinigung zu tragen, da es das Wort Kromfohrländer enthält. Dann kann ich auf den Pulli zeigen und die Leute bitten, es abzulesen.

Üblicherweise laufen die Leute davon, wenn sie den Namen der Rasse hören. Sie wollen nicht zugeben, daß sie nie davon gehört haben. Einige bestehen darauf, daß ich ihnen beibringe wie man „Kromfohrländer“ ausspricht. Man kann einen passenden deutschen Akzent vergessen, wenn man einem steifzüngigen Finnen beibringen will, K-R und M-F zusammen auszusprechen. Aus irgendeinem Grund bestehen speziell angetrunkene Männer mittleren Alters darauf, den Namen zu lernen. Unglücklicherweise ist es, wenn man betrunken ist, unmöglich es zu lernen, da die Zunge nach ein paar Drinks nicht mehr so gelenkig ist.

Begleiter

Wenn die Rasse klar ist, kommen die Fragen über die Gruppeneinteilung.

-  So, sie ist also ein Arbeitshund, ein Hirtenhund
- Nein, sie ist ein toy-dog, ein Begleiter.
- Das sehe ich, aber was ist die Rassegruppe?
- Toy.
- Ich meine, ist sie ein Terrier oder ein Hirtenhund oder...
- Sie ist in der toy-dog Gruppe.

Es scheint schwierig zu sein, das toy-dog (Begleithunde im Finnischen wie im Deutschen) Konzept zu verstehen. Manche Leute meinen, es wäre das Gegenteil zu einem Ausstellungs- oder Agility-Hund. Einzig wenn ich erkläre, daß Kategorie 9 die toy-dogs (Begleithunde) und Kategorie 1 die Arbeitshunde sind, dämmert es ihnen.

Der Kromi ist in der Tat ein Begleiter. Er begleitet dich ins Bett, auf die Toilette und sogar in die Dusche.

Andere haben es auch nicht leicht

Ein Rasse muß nicht selten sein, um für Verwirrung zu sorgen. Ein Kollegin war mit ihren Cocker Spaniels spazieren als sie hörte: „Mama, sind das Dalmatiner?“

Der Deutsch Langhaar (40 Hunde in Finnland) meiner kleinen Schwester wird immer für einen Mischling gehalten: "„Es ist ein Mix zwischen einem Irish Setter und einem Labrador, oder?“ Der witzigste Kommentar war: „Schau‘ mal, ein Saluki!“ Ein Deutsch Langhaar wiegt mindestens 15 Kilo mehr als jeder Saluki!

Meine ältere Schwester liefert mit ihrem Hund einen echten Zungenbrecher: es ist ein Polski owczarek nizinny (300 Tiere in Finnland). Ja, die Rasse hat einen einfacheren Namen, der Polnische Niederungshütehund, aber das ist nur halb so spaßig. Einmal haben ein paar Jungen meine Schwester gefragt ob sie den Hund streicheln dürften. Schließlich fragte einer von ihnen: „Ist das ein echter Hund?“ Was sonst kann  man sagen außer: „Ja, es ist ein echter Hund“.

Urteilt nicht nach dem Äußeren

Die Leute haben oft seltsame Ideen über die Verbindung zwischen dem Erscheinungsbild eines Hundes und dessen Geschlecht. Die arme Repu wird immer für einen Rüden gehalten, weil sie so einen hübschen Bart hat. Ich habe ihr ein dickes rotes Halsband gekauft, damit man gleich sieht, daß sie eine Hündin ist. Es half trotzdem nichts, denn Repus Fell ist so dicht, daß man das Halsband kaum sieht.

Außerdem, so sagen die Leute, ist Repu ein Jungenname. Deshalb lassen Rüden-Besitzer ihre Hunde Repu freundlich begrüßen und glauben ihren Ohren nicht wenn ich ihnen sage, daß sie läufig ist.

Meine jüngere Schwester hat das Problem genau anders herum. Ihr Hund hat so wunderschön gelockte Ohren, daß sie jeder für ein Mädchen hält. Ihre Nachbarn brachten ihr ihre Hündin vorbei und stöhnten: „Endlich haben wir eine andere Hündin gefunden! Wissen sie, unsere ist läufig und kann deshalb nicht mit den Rüden spielen!“ Wie man sich vorstellen kann, ist ihnen die Kinnlade heruntergefallen, als Selmi verzweifelt versuchte, Vater zu werden. Und ja, sie sagten, daß „Selmi“ ein Mädchenname ist...

Niemand wagt es, das Geschlecht des PON meiner älteren Schwester auch nur zu raten. PONs sind so behaart, daß man nicht mal ihre Augen sehen kann, geschweige denn was unter ihren Bäuchen ist. Meine Schwester wird oft gefragt: „Sieht sie überhaupt etwas unter all dem Haar?“ Meine Schwester hat es schon lange aufgegeben und sagt nur kühl: „Nein, Sie hat gar keine Augen.“

Als nächstes sollte ich wahrscheinlich einen Labrador Retriever kaufen und sie Sarah nennen. Labrador ist ziemlich einfach auszusprechen, selbst ein Idiot begreift, daß ein Retriever ein Flintenhund ist. Es ist einfach, daß Geschlecht eines kurzhaarigen Hundes zu bestimmen und im Zweifelsfall sagt der Name das Geschlecht.

Obwohl unser Nachbar einen weiblichen Dachshund hat, dessen Name Peter ist...